Geistlicher Impuls

Gedanken zum Krieg in der Ukraine

’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, und rede Du darein!“ 
So beginnt ein Gedicht von Matthias Claudius aus dem Jahr 1778, liebe Leserinnen und Leser. „Gott, rede du darin, greif ein! Stopp den Wahnsinn!“  So bitte auch ich immer wieder in diesen Tagen in meiner maßlosen Enttäuschung über das Scheitern der Diplomatie, mit meiner Wut über einen wortbrüchigen Aggressor, mit meiner Angst vor einer weiteren Kriegseskalation, mit meinen Tränen um die Ukrainer*innen, die so viele Leid erfahren und um Hilfe flehen, in meiner Hilflsoigkeit . Es gäbe so viele Worte für das, was in mir, was in uns vorgeht angesichts des Krieges in der Ukraine. 
Bei vielen Menschen werden persönliche Erinnerungen wach an Krieg, Flucht, Vertreibung, Gewalt. 
Und wir alle spüren, wie zerbrechlich der sicher geglaubte Frieden in Europa ist. 
Wohin mit alle unseren Gefühlen? Was können wir tun?
Ich selbst möchte darauf vertrauen, dass die demokratisch gewählten Regierungen in Europa und die NATO gemeinsam nach Wegen suchen, diesem Krieg sinnvoll und besonnen zu begegnen. Uns werden vermutlich persönlich finanzielle Opfer abverlangt, und ich hoffe, dass wir sie solidarisch tragen können. Ich möchte jene unterstützen, die sich der Opfer in der Ukraine oder der Flüchtenden annehmen. 
Und ich möchte nicht aufgeben, den um Hilfe zu bitten, „der Himmel und Erde gemacht hat“, der seine Menschenkinder nicht aufgibt und dessen Geistkraft in uns immer wieder die Flamme der Friedenshoffnung und des Friedenswillens entzündet. 
An ihn möchte ich mich mit dem Gebet von Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks, wenden (aus dem Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig am 7. Februar 2022; https://www.gustav-adolf-werk.de/files/gaw/downloads/Predigten/Friedensgebet_Ukraine.pdf
 
Wohin sollen wir uns wenden mit unserer Hilflosigkeit angesichts der Konflikte, die derzeit toben? 
Wir haben Sorge, dass ein neuer großer Krieg ausbricht. 
Wir sorgen uns um unsere Glaubensgeschwister in Russland und der Ukraine, die Frieden wollen. 
Wir wenden uns an dich, Gott, und bitten, dass Feindschaft überwunden wird. 
Barmherziger und gerechter Gott: Erfülle uns mit dem Geist der Besonnenheit und der Hoffnung. 
Mach uns streitbar gegen menschenverachtende Parolen und immun gegen das Gift von Hass, Falschmeldungen, Polarisierungen, Abgrenzungen. 
Gründe uns in deinem Wort, das Friedenstiftern Zukunft verheißt. Amen
 
Claudia Edelmann

Unser Name - Gedanken zum Monatsspruch Februar (Lk.10,20)

Claudia, Paul, Jens, Pia, Christopher… Wenn wir uns vorstellen, ist es das erste, was wir sagen: Unsern Namen. „Ich heiße …“oder „Ich bin…“. Unseren Namen haben wir uns in der Regel nicht selbst ausgesucht. Unsere Eltern haben Sie uns gegeben. Während Vornamen bleiben, es kommen allenfalls Kose- oder Spitznamen hinzu, können sich Familiennamen durch Eheschließung ändern. 

Gefällt Ihnen Ihr Name? Ich kenne Menschen, die sich bewusst anders ansprechen lassen, weil sie sich mit ihrem eigentlichen Vornamen nicht identifizieren können. Vor einer Heirat wird manchmal lange über den zukünftigen Namen diskutiert. Wir spüren:  Unser Name gehört zu unserem Leben, er steht für unser Leben.  „Ich bin Claudia Edelmann, ich bin Maria N, Jens W…“ Der Name ist gewissermaßen die Überschrift, die über unserm Leben steht. Wir füllen ihn mit unserer je eigenen Lebensgeschichte. Und am Ende ist er die Unterschrift, die alles beschließt. 

„Freut euch , dass eure Namen im Himmel geschrieben sind!“ ruft Jesus seine Jünger*innen zu.   (Lk. 10,20) 

Bei der Taufe wird unser Name über uns laut ausgesprochen. In ihm spricht Gott uns direkt an. Sein Name und unser Name gehören nun unaufhebbar zusammen. Himmel und Erde sind vereint in unserem Namen. Gott verspricht damit: „Ich schreibe deinen Namen im Himmel auf. Ich bewahre deinen Namen und mit ihm dein Leben.“ 

„Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Namen sind eben nicht wie „Schall und Rauch“ wie Goethe den Faust sagen lässt, vergänglich und unbedeutend. Nein, unser Name bleibt und mit ihm alles, was uns auszeichnet: Unsere Kindheit und unser Alter, unser Glück und unser Leid, unser Scheitern und unsere Liebe. 

Gott wird unseren Namen und unser Leben bewahren und vollenden. Am Ende wird er uns hineinrufen in seine Unendlichkeit, die schon jetzt einen himmlischen Glanz auf unseren Namen legt. Deshalb: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ 

Ihre Claudia Edelmann

Lichtstrahlen im dunklen Januar

Mir kommt es so vor, als sei der Himmel in diesen Wochen überwiegend grau und bedeckt. Kaum zeigt sich für ein paar Stunden die Sonne, zieht es die Menschen nach draußen und auch ich amte die Lichtstrahlen bis zum Grund meiner Seele ein. Wie gut das tut! 

Das Wetter ist ein Spiegelbild meiner Seele. Die vielen Coronatoten machen mich traurig, die Verlängerung des Lockdowns mit teilweisen Regelverschärfungen setzen mir zu. Die Aussicht, dass erst im Spätsommer die meisten geimpft und sich erst dann die Lage sicher entspannen wird, lässt mich klagen: So lange sollen wir uns noch beschränken? Der Himmel ist verhangen, Gott scheint hinter einer grauen Wand verborgen, meine Zuversicht ist gedrückt.

Ich singe dagegen an mit einem Lied für diese Zeit: „Du Morgenstern, du Licht vom Licht“ (Gesangbuch Nr. 74). Jesus, der Gottessohn, wird besungen als Lichtstrahl und Lebensquell, er durchdringt Dunkelheit und bringt Leben. 

Der Himmel geht auf: Ein Ehepaar feiert seine Gnadenhochzeit, ein Bekannter ist Vater geworden, eine Freundin hat sich verliebt, Menschen lächeln mir unter der Maske zu, ich strecke mein Gesicht der Sonne entgegen. 

„Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht, führ uns durch Finsternis zum Licht.“ Ja, Gott, reiße immer wieder den grauen Himmel auf und lasse und den Glanz seiner Güte sehen und spüren.  So tanken wir Kraft für den vielleicht noch langen Weg. 

Claudia Edelmann

Seid barmherzig , wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6, 36)

Barmherzig - dieses alte Wort stellt die Jahreslosung für 2021 in ihren Mittelpunkt.
Barmherzig - was klingt in uns an, wenn wir dieses Wort langsam und laut vor uns hersagen?


Mir wird die Nähe zum Wort „warmherzig“ wieder bewusst. Als Kind habe ich tatsächlich nur vom Hören her gedacht, dass es so heißt: warmherzig - statt barmherzig, konnte ich mir doch unter „barm“ gar nichts vorstellen. Und so ganz falsch war meine Vorstellung ja gar nicht.  
 
Wer ein warmes Herz hat, strahlt Herzlichkeit und Güte aus, geht liebevoll mit anderen Menschen um, ganz so, wie wir es vermutlich auch von einem barmherzigen Menschen erwarten. 
Und doch schwingt für mich mehr mit. Barmherzig – sich erbarmen: Das Herz lässt sich berühren von einem, der Gnade erhofft statt Recht, von Menschen, die Hilfe brauchen. Kennen Sie einen Menschen mit solch einem Herzen? 


„So sollt ihr sein“, fordert Jesus uns auf. Wenn wir wissen wollen, wie das gelingen kann, dann sollen wir uns unseren himmlischen Vater in Erinnerung rufen. Er liebt wie einer, der einen gescheiterten Sohn mit offenen Armen empfängt. Er möchte, dass alle das bekommen, was sie zum Leben brauchen und er gibt niemanden verloren.

Klar, wir sind nicht wie Gott und perfekt werden wir nie sein, trotzdem traut Jesus uns Barmherzigkeit zu. Auf den Versuch kommt es an, auf kleine Schritte:  Ein Lächeln, ein gutes Wort, eine ausgestreckte Hand … Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Wie Gott zu uns ist, so sind wir zu anderen. Trauen wir uns?  Trauen wir uns!
 
Es grüßt Sie herzlich Ihre Pastorin Claudia Edelmann